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EU Accessibility Act Bußgelder 2026: Was KMU und Agenturen jetzt wissen müssen

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EU Accessibility Act Bußgelder 2026: Was KMU und Agenturen jetzt wissen müssen

Der European Accessibility Act gilt seit Juni 2025. Hier erfahren Sie, welche Bußgelder in Deutschland, Frankreich, Österreich, den Niederlanden, Belgien und Irland drohen — mit echten Durchsetzungsbeispielen und einem konkreten Aktionsplan.

Updated 15 May 2026

10 min read

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Was ist der European Accessibility Act?

Der European Accessibility Act (Richtlinie (EU) 2019/882) ist das EU-weite Gesetz, das eine lange Liste von Produkten und Dienstleistungen — darunter E-Commerce-Websites, Bankdienstleistungen, E-Books, Ticketing und verbraucherorientierte Telekommunikationsdienste — verpflichtet, einen Mindeststandard an Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen einzuhalten.

Der technische Mindeststandard ist EN 301 549, der fast direkt WCAG 2.1 Level AA entspricht. Wenn Ihre Website eine saubere WCAG 2.1 AA-Prüfung besteht, sind Sie auf der digitalen Seite sehr nah an der EAA-Konformität.

Die Richtlinie wurde 2019 verabschiedet und gab den Mitgliedstaaten bis zum 28. Juni 2022 Zeit, sie in nationales Recht umzusetzen, mit einer dreijährigen Schonfrist bevor sie in Kraft trat. Diese Schonfrist endete am 28. Juni 2025. Die Durchsetzung ist nun in allen 27 Mitgliedstaaten aktiv.

In Deutschland heißt das Umsetzungsgesetz Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Eine ausführliche Analyse der BFSG-spezifischen Risiken — insbesondere das Abmahnrisiko durch Wettbewerber — finden Sie in unserem BFSG-Artikel.

Eine tiefere Aufschlüsselung der Beziehung zwischen WCAG, EN 301 549 und EAA finden Sie in unserem Leitfaden zu den drei Standards.

Wer muss sich anpassen?

Der EAA richtet sich primär an Wirtschaftsakteure, die Produkte oder Dienstleistungen auf dem EU-Markt anbieten. In der Praxis bedeutet das:

  • E-Commerce-Websites, die an EU-Verbraucher verkaufen — ohne Ausnahme.
  • Verbraucher-Banking, Zahlungen und Fintech-Apps.
  • Buchungs- und Ticketingplattformen (Verkehr, Veranstaltungen).
  • Audiovisuelle Mediendienste und E-Reader.
  • B2B-Agenturen, deren Kunden dem EAA unterliegen — die Verpflichtung vererbt sich auf die Agentur, die die Website gebaut hat.

Es gibt eine Kleinstunternehmensausnahme: Unternehmen unter 10 Mitarbeitern und unter 2 Mio. € Jahresumsatz sind von den Dienstleistungspflichten ausgenommen (aber nicht von den Produktpflichten). Die meisten unserer Kunden erfüllen diese Ausnahme nicht.

Maximale Bußgelder — Land für Land

Jeder EU-Mitgliedstaat hat sein eigenes Sanktionsregime festgelegt. Hier der Überblick über unsere sechs Kernmärkte (Stand: April 2026). Die vollständige Aufschlüsselung aller 27 EU-Länder — einschließlich Durchsetzungsbehörden und offizieller Quellen — finden Sie in unserem EAA-Bußgeld-Überblick.

LandMaximales BußgeldBesonderheit
🇩🇪 Deutschland10.000 € – 100.000 € pro VerstoßPlus Abmahnungen durch Wettbewerber — Konkurrenten können Sie wegen unlauteren Wettbewerbs durch Nichteinhaltung klagen.
🇫🇷 FrankreichBis zu 50.000 € (ARCOM) · bis zu 37.500 €/Verstoß (DGCCRF)ARCOM erhebt zusätzlich 25.000 €/Jahr für fehlende Barrierefreiheitserklärung. Erste Durchsetzungsmaßnahmen im November 2025 gegen Auchan, Carrefour, E.Leclerc, Picard.
🇦🇹 ÖsterreichBis zu 80.000 € (Großunternehmen ≥ 250 MA) · bis zu 50.000 € (KMU < 250 MA)14-tägige Reaktionsfrist nach einer Beschwerde. Kleinstunternehmen (< 10 MA, ≤ 2 Mio. € Umsatz) sind von den Dienstleistungspflichten nach § 6 BaFG weitgehend ausgenommen. Details in unserem Österreich-Artikel.
🇳🇱 NiederlandeBis zu 110.000 € pro Verstoß (Kategorie-5-Geldbuße; ab Januar 2026 aktualisiert)Sechs sektorspezifische Behörden: ACM (E-Commerce), AFM (Finanzen), ILT (Verkehr), RDI (Telekommunikation), CvdM (Medien), NVWA (Produkte). Meldepflicht seit Oktober 2025.
🇧🇪 Belgien208 € – 80.000 € (Standardverstoß) · bis zu 200.000 € oder 6 % des Umsatzes (Vorsatz)In Kraft seit November 2023 (CDE Bücher VIII/XV). Durchgesetzt durch DGIE (SPF Economie). Belgiens komplexe Bundesstruktur bedeutet, dass sprachliche Versionen (FR/NL/DE) separat bewertet werden können.
🇮🇪 IrlandBis zu 60.000 € + bis zu 18 Monate HaftDer einzige EU-Mitgliedstaat mit Strafverfolgung bei vorsätzlicher Nichteinhaltung.

Ein Hinweis für grenzüberschreitende Betreiber: Norwegen (EWR, kein EU-Mitglied) erhebt kontinuierliche Tagessätze von ca. 400 €/Tag bis zur Einhaltung — ein Modell, das mehrere EU-Regulierer angekündigt haben kopieren zu wollen.

Wie funktioniert die Durchsetzung in der Praxis?

Bußgelder werden in der Regel nicht sofort verhängt. Das typische Muster in den Mitgliedstaaten ist:

  • Eine Behörde, Verbraucherorganisation oder ein Wettbewerber reicht eine Beschwerde ein.
  • Die Behörde benachrichtigt den Betreiber und gibt eine Frist zur Behebung — typischerweise 14 bis 90 Tage.
  • Wenn die Probleme nicht behoben werden (oder systemisch sind), beginnen formelle Strafmaßnahmen.
  • In Spanien können Regulierer sofortige Strafen für schwerwiegende Verstöße verhängen ohne vorherige Frist.

Das Wichtigste: Sie haben nach Benachrichtigung fast immer Zeit, Probleme zu beheben — aber nicht sehr viel, und Beschwerden sind kein hypothetisches Szenario mehr.

Echte Durchsetzungsbeispiele (Nov. 2025 – Apr. 2026)

Die acht Monate seit Inkrafttreten des EAA haben mehr Durchsetzungsaktivitäten gebracht als das gesamte vorherige Jahrzehnt:

  • Frankreich, Nov. 2025: Erste EAA-Durchsetzungsmaßnahmen gegen Auchan, Carrefour, E.Leclerc und Picard wegen unzugänglicher E-Commerce-Checkouts.
  • Niederlande, Okt. 2025: Meldepflicht für Barrierefreiheit eingeführt; ACM begann mit der Veröffentlichung einer Nichtkonformitätsliste.
  • Deutschland: Eine Welle von Abmahnungen durch Wettbewerber gegen kleinere E-Commerce-Shops mit offensichtlichen WCAG-Fehlern.

Was Sie dieses Quartal tun sollten

Sie benötigen kein sechsstelliges Beratungshonorar, um echte Fortschritte zu erzielen. Ein pragmatischer Plan:

  1. Automatisierten Scan durchführen über Ihre echten Templates — Startseite, Produkt, Checkout, Konto, Kontakt. Automatisierte Tools erkennen ca. 30–40 % der Probleme; das reicht, um die Kernprobleme zu finden (Farbkontrast, fehlende Alt-Texte, Formular-Labels, ARIA-Missbrauch).
  2. Nach Schweregrad priorisieren. Kritische und schwerwiegende WCAG 2.1 AA-Probleme führen zu Bußgeldern. Kleinere Probleme sind Rauschen.
  3. Die wichtigsten Seiten zuerst beheben — Checkout- und Konto-Flows sind mit Abstand die wahrscheinlichste Quelle einer Beschwerde.
  4. Barrierefreiheitserklärung veröffentlichen. Frankreich verhängt speziell Bußgelder für fehlende Erklärungen; die meisten Mitgliedstaaten verlangen sie.
  5. Monatliche Re-Scans einplanen. Konformität ist ein Zustand, kein Projekt — Code-Änderungen brechen Dinge.

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Quellen

  • Europäische Kommission — Richtlinie (EU) 2019/882 über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen.
  • EN 301 549 v3.2.1 — Barrierefreiheitsanforderungen für die öffentliche Beschaffung von IKT-Produkten und -Dienstleistungen in Europa.
  • Nationale Umsetzungsgesetze: Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (DE), Décret n° 2023-931 (FR), Barrierefreiheitsgesetz (AT), Implementatiewet Toegankelijkheidsvoorschriften (NL).
  • Laufende Durchsetzungsberichte von Level Access, Deque und dem EU Accessibility Resource Centre, Nov. 2025 – Apr. 2026.

Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar. Nationale Regulierer interpretieren die Richtlinie unterschiedlich und das Bild entwickelt sich noch — bei einer konkreten Beschwerde wenden Sie sich an einen qualifizierten Barrierefreiheitsanwalt in Ihrer Rechtsprechung.

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